WORSHIP (2013)
Die Fotoserie Worship thematisiert die fast religiöse Verehrung künstlerischer Objekte und stellt ihr die Ritualkultur Indiens gegenüber. Auf den an Stillleben erinnernden Fotografien sind minimalistische Formen zu sehen, die mit bunten Pigmenten bemalt und mit Blumengirlanden geschmückt sind. Die „Nutzung“ der Objekte erfolgt auf rituelle Weise und bringt den weit verbreiteten hinduistischen Glauben zum Ausdruck, dass Gottheiten jeden Gegenstand „bewohnen“ können, um dort verehrt zu werden. Die Fotoserie Worship präsentiert somit „Fetische“, die über ihre Funktion als Kunstobjekte hinausgehen und durch Ritualisierung zu potenziellen Trägern göttlicher Präsenz werden. Gleichzeitig regt das Werk zum Nachdenken über Zeitlichkeit und das anhaltende westliche Verlangen an, die Zeit zu überwinden - eine Sehnsucht, die die Geschichte der modernen Kunst und der Religion gleichermaßen verbindet. Beide Traditionen haben wiederholt nach Beständigkeit gestrebt: die Kunst durch Abstraktion und ideale Form, die Religion durch das Versprechen von Ewigkeit und Erlösung. In beiden Fällen wird das Objekt zum Gefäß der Zeitlosigkeit, zu einem Versuch, dem Verfall und der Instabilität zu entkommen, die der materiellen Existenz innewohnen. In Worship untergraben jedoch die flüchtigen Farbakzente, die verblassenden Pigmente und die vergänglichen Blumenopfer dieses Streben auf subtile Weise. Sie erinnern uns daran, dass Materie niemals stillsteht und dass Bedeutung - ob künstlerisch oder spirituell - stets an Zeit, Verwandlung und Verfall gebunden ist. In diesem Sinne offenbaren die Fotografien die stille Spannung zwischen der menschlichen Sehnsucht nach dem Ewigen und der unausweichlichen Vergänglichkeit aller Schöpfung.




