Trace de passage

Im September 2024 wurde Marie Capesius auf Initiative von Clervaux – Cité de l'Image zu einem einmonatigen Künstleraufenthalt in das Südtiroler Dorf Stilfs eingeladen. Ein Jahr später, im September 2025, folgte eine weitere einmonatige Residenz in der Ermitage in Clerf.

Die Ausstellung „TRACE DE PASSAGE“ vereint Arbeiten, die während dieser beiden Aufenthalte entstanden sind. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Psychogenealogie – der Frage, inwiefern familiäre Prägungen und transgenerationale Erfahrungen unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Die Künstlerin ließ sich dabei vom jeweiligen Ort inspirieren: von seiner Geschichte, seinen Ritualen, seinen Landschaften und Klangwelten. Aus diesen Eindrücken entwickelte sie eine immersive Installation – eine audiovisuelle Projektion, die Polaroid Aufnahmen mit einer vielschichtigen Klangcollage aus Naturgeräuschen verbindet.

Ihre Arbeit kreist um die unsichtbaren Spuren, die wir in uns tragen: Welche unbewussten Einflüsse übernehmen wir von unseren Vorfahren? Wie wirken verborgene, weitergegebene Erfahrungen in unserem Leben fort?

„Solange Sie das Unbewusste nicht bewusst machen, wird es Ihr Leben lenken,  und Sie werden es Schicksal nennen.“- Carl Gustav Jung

Mit einem introspektiven Ansatz arbeitet Marie Capesius mit Symbolen, Selbstporträts, Tierporträts und einem weißen Tuch, das sich wie ein roter Faden durch ihre Bildwelt zieht. Vertraute, beinahe häusliche Elemente schaffen eine Atmosphäre zwischen Nähe und Erinnerung. In dieser vielschichtigen Bildsprache nähert sie sich dem Thema der Weitergabe zwischen Generationen an.

Mittels fotografischer Prozesse macht sie Spuren einer weiterhin präsenten Vergangenheit sichtbar. In rituell anmutenden Inszenierungen bringt sie das im Schatten Verborgene ans Licht und eröffnet einen Raum, in dem sich vererbte Traumata und blockierte Emotionen transformieren können.

Ihre Arbeit bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Bewusstem und Unbewusstem.  So wird die Fotografie zu einem introspektiven Instrument – zu einem Portal, das nicht nur das offenbart, was das Auge wahrnimmt, sondern vor allem das, was fühlbar ist und jenseits des bloßen Sehens liegt.

Biografie

Marie CAPESIUS, *1989 in Straßburg (FR), lebt und arbeitet als multidisziplinäre Künstlerin in Luxemburg. Sie schloss 2019 ihr Studium an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin ab. Kürzlich wurde sie mit dem Luxembourg Photography Award Mentorship von Lëtz’Arles ausgezeichnet, dank dem sie am Mentorenprogramm der École Nationale Supérieure de la Photographie in Arles teilnehmen und eine Künstlerresidenz in der La Madeleine Arles erhalten konnte. Im Frühjahr 2026 wird sie im Rahmen des VAE-Programms der ENSP vor der Jury für den Erwerb eines Master-Abschlusses in Fotografie antreten.

www.mariecapesius.com