An Instant Journey

Nach Time 0 und Instant Choices ist dies bereits die dritte Ausstellung des Künstlers in Luxemburg, die dem Polaroid-Format gewidmet ist. Nachdem die Abtei Neumünster und die Theatergalerie in Esch Schauplätze waren, verweist sie nun auf einen Ort, der für Paul Kirps eine besondere Bedeutung besitzt. Wie auf einer Reise scheinen die kleinformatigen Kunstwerke in der Hochburg der Fotografie, der Cité de l'Image, endlich angekommen zu sein.

Seit Jahren widersetzt sich der Künstler dem Klischee des banalen Souvenirbildes, das sich beim Polaroid-Format in manchen Köpfen festgesetzt hat. Er schätzt die Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit dieses analogen Mediums, das weder Filter noch nachträgliche Bearbeitungen in Photoshop zulässt. Mit ihrem ikonischen weißen Rahmen wirken die kleinen quadratischen Bilder wie Fenster oder Portale, durch die Zeit, Erinnerung und Wahrnehmung neue Bedeutungen finden.

Gerade diese Qualitäten haben das Polaroid auch für bedeutende Künstler wie Andy Warhol, Lee Friedlander oder Wim Wenders interessant gemacht. Vor allem David Hockney gilt als wichtige Inspiration für Paul Kirps – und offenbar auch Edward Steichen, der dieses Medium jedoch erst am Ende seines Lebens für sich entdeckte. Letzterer scheint den Kreis einer Reise zu schließen, die für Paul Kirps von besonderer Bedeutung ist. Denn Clerf nimmt in seinem Leben einen besonderen Platz ein.

Dieser Ort zieht an. Er ist ein schillernder Mix aus mittelalterlichen Mysterien, einer Burg, einem Kloster, geheimnisvoller Natur, der „The Family of Man” und High-End-Tourismus. Für Paul Kirps ist der Ort allerdings nicht nur eine exotische Entdeckung. Teile seiner Jugend verbrachte er hier. Vor zwei Jahren kehrte er für die Dauer eines Sommers dorthin zurück, um ein monumentales Fresko am Lycée Edward Steichen zu realisieren. Es scheint, als besäße Clerf die seltsame Fähigkeit, Menschen immer wieder zurückzuholen. Willkommen in Twin Peaks.

In An Instant Journey zeigt der Künstler keine Reisesouvenirs, sondern Beobachtungen, die er durch die Linse seiner SX-70 künstlerisch verfremdet hat. Im Mittelpunkt stehen menschenleere Sujets, Strukturen und architektonische Elemente wie Kais, Terminals, Staumauern, Schalungen, technische Schächte oder temporäre Konstruktionen. Sie erscheinen, verschwinden und tauchen andernorts wieder auf, wie Markierungen auf einer geheimen Karte, deren Linien sich quer durch Kontinente und Landschaften ziehen.

So werden die Polaroids zu Momentaufnahmen einer Welt im ständigen Wandel. An Instant Journey ist somit weniger eine Reise durch Orte als eine Auseinandersetzung mit den Formen und Strukturen unserer gebauten Umwelt.

Biografie

Paul Kirps ist ein freischaffender Künstler, der Auftragsarbeiten und eigene Projekte in den Bereichen Kunst, Illustration und visuelle Kommunikation realisiert. Seinen Projekten geht oft eine intensive Recherchephase voraus, in der er Bilder, Zeichen und Objekte fotografiert, sammelt, zusammenstellt und archiviert, um daraus formale Datenbanken zu erstellen. Durch seine Recherchen eignet er sich populäre Bildwelten und Elemente des Alltags neu an, um eine ikonografische Poetik mit neuen Anwendungsmöglichkeiten zu erfinden.

1996 schloss er sein Studium der Visuellen Kommunikation an der ECAL in Lausanne (CH) ab. Nach seinem Studium führten ihn verschiedene Aufträge zu künstlerischen Projekten in Wien, Paris, Amsterdam und Barcelona. Während dieser Zeit arbeitete er mit Designern wie Ruedi Baur, Bernard Baissait, Jacques Koeweiden und Paul Postma zusammen. Im Jahr 2004 gründete er das Atelier Paul Kirps in Luxemburg. Seine jüngsten Projekte konzentrierten sich auf Aufträge im Rahmen des Programms „Kunst am Bau“. In Zusammenarbeit mit Architekturbüros entwickelte er Konzepte für künstlerische Installationen in öffentlichen Gebäuden und lieferte dabei Lösungen, die den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner und Nutzer gerecht werden.

Werke von Paul Kirps befinden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York (MoMA), des Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean in Luxemburg, des Museum für Gestaltung in Zürich, der Stadt Luxemburg, der Bibliothèque Nationale Luxembourg, des Centre National de l’audiovisuel Luxembourg und der Banque Internationale à Luxembourg.

www.paulkirps.com

Praktische Informationen

Addresse:
Centre d'Art - Cité de l'image
11, Grand-Rue
L-9711 Clervaux

Öffnungszeiten:
Mo - So: 10.00 - 17.00 Uhr
Freier Eintritt