EPHEMERA (2008)

Die in Tokio entstandene Fotoserie Ephemera bezieht sich auf das japanische Konzept „Mono no Aware“ (物の哀れ), das oft als „Pathos der Dinge“ oder Bewusstsein für die Vergänglichkeit übersetzt wird. Dieser Gedanke umfasst eine tiefe Sensibilität für die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit aller Dinge und Wesen sowie eine Wertschätzung der damit einhergehenden Gefühle von Nostalgie, Melancholie und Empathie. Die Ursprünge dieses Konzepts lassen sich auf die poetischen Werke der Heian-Zeit zurückführen, insbesondere auf das Genre der Waka-Dichtung. In dieser stellten Dichter oft flüchtige Momente der Schönheit in der Natur dar. Daher ist jedes Motiv der Fotoserie Ephemera im Wesentlichen eine Betrachtung der Vergänglichkeit des Lebens und seiner fortwährenden Zyklen des Wandels. Ein Ast, der an jedem seiner Zweige weiße Bandagen trägt, verdeutlicht den Schmerz, der dem Wachstum innewohnt. Ein toter Schmetterling trägt die Last eines Tonklumpens auf seinem zerbrechlichen Körper und balanciert so das überwältigende Gewicht der Materie aus. Mehrere Blumen bilden ein Stillleben am Straßenrand - eine poetische Metapher für die bittersüße Präsenz des Verfalls. Jedes Foto ruft einen Zustand der Achtsamkeit gegenüber der Vergänglichkeit hervor und ermöglicht eine wertschätzende Wahrnehmung von Erneuerung, Transformation und sich wandelnder Schönheit, während sie sich im Fluss des Daseins für die Dauer ihrer zugeteilten Zeit entfaltet. Darüber hinaus erinnert Ephemera daran, dass Veränderung ein integraler Bestandteil des Lebens ist und dass man durch das Annehmen dieser Realität ein Gefühl des Friedens und der Akzeptanz inmitten des Flusses des Daseins finden kann.