Ours

Die Künstlerin Karin Schmuck präsentiert in der Ausstellung OURs erstmals Arbeiten, die während ihrer Künstlerresidenz 2025 in der Ermitage in Clerf entstanden sind. Ergänzt wird die Präsentation durch eine ortsspezifische Installation im Durchgang des Schlosses mit dem Titel WOODS. Seit vielen Jahren setzt sich Karin Schmuck intensiv mit dem Thema der Grenze auseinander. Ihre künstlerische Praxis verbindet Recherche, körperliche Erfahrung und fotografische Arbeit: Jedes Jahr unternimmt sie eine Reise zu einem ausgewählten Grenzraum, den sie zu Fuß erkundet, untersucht und dokumentiert. Im Zentrum ihres Interesses steht der Prozess des Sehens selbst. Karin Schmuck untersucht die Spannung zwischen den klaren, auf Karten gezogenen Linien politischer Grenzen und den fließenden, oft kaum wahrnehmbaren Übergängen in der realen Landschaft. Dabei wird sichtbar, wie relativ und vergänglich diese von Menschen gesetzten Grenzziehungen sind – überlagert von Natur, Geschichte und persönlicher Wahrnehmung.

Während ihres Aufenthalts in Clerf erkundete Karin Schmuck zu Fuß das Tal der Our – vom Dreiländereck Belgien-Luxemburg-Deutschland bis nach Wallendorf. Die rund 50 km lange, von etwa 600 Quellen gespeiste Mittelgebirgslandschaft bildet über weite Strecken die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland. Historische Ereignisse wie die Überquerung der Our durch alliierte Truppen im September 1944 während der Befreiung Luxemburgs überlagern sich hier mit der heutigen Erfahrung einer scheinbar friedlichen Landschaft. Besonders faszinierte die Künstlerin der Status der Our als Kondominium – also als gemeinsam verwalteter Grenzfluss. Besonders faszinierte die Künstlerin der Status der Our als Kondominium, also als gemeinsam verwalteter Grenzfluss, sowie die sprachliche Nähe von „Our“ und dem englischen „our“ („unser“), die das Motiv des Gemeinsamen poetisch unterstreicht.

In der Serie OUR RIVER überlagert Karin Schmuck jeweils zwei Fotografien des Flusses, sodass sich die gegenüberliegenden Ufer schichtweise verbinden. Die Bilder erscheinen vertraut und zugleich leicht entrückt – menschenleer, zeitenthoben, manchmal erinnernd an Landschaftsdarstellungen des 17. Jahrhunderts oder an filmische Bildwelten.

Die Arbeiten der Serie OUR WOODS und IN THE MIDST führen diese Überlegungen weiter. Fotografische Ansichten von Wäldern beiderseits der Grenze verschmelzen zu neuen Bildräumen. Die begehbare Installation im Schlossdurchgang wird von Audiobeiträgen (OUR VOICES) begleitet, die im Austausch mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Clerf verschiedener Sprachgemeinschaften entstanden sind. Ihre Stimmen erzählen persönliche Geschichten in ihren jeweiligen Muttersprachen – zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen „mine“ und „ours“.

Biografie

Karin SCHMUCK studiert Malerei an der Accademia di Belle Arti in Urbino und Fotografie an der Accademia di Belle Arti von Bologna. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, unter anderem im Palazzo delle Esposizioni in Rom, in der Galleria Nazionale delle Marche, dem Centro per la Fotografia d’Autore und der Villa Brandolini, Gewinnerin mehrerer Preise, darunter des Combat Prize, des Premio Carlo Gajani sowie Nominierung für den Premio Driving Energy.

www.karinschmuck.com