ENCOUNTERS (2023)
Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Natur im Zeitalter des Anthropozäns schaffen eine verflochtene Welt, in der Kunst zu einer Anthropologie des globalen Lebens wird, die Menschen und Nichtmenschen miteinander verbindet. Daher kann sich die heutige Anthropologie nicht mehr ausschließlich auf die menschliche Spezies konzentrieren. Bereits in den 1960er Jahren sah Claude Lévi-Strauss das oberste Ziel der Anthropologie in der „Auflösung“ der menschlichen Figur. In Anerkennung des Endes der klassischen westlichen Trennung zwischen Natur und Kultur geht die Ausstellung Encounters über die menschliche Spezies als solche hinaus, indem sie Kultur wieder in die Natur integriert. Der Künstler hat eine Reihe minimalistischer, schwarz-weiß bemalter Objekte unter wilden Affen platziert. Auf den Fotografien ist zu sehen, wie die Affen sich den Objekten vorsichtig nähern und die Werke sofort und instinktiv in Besitz nehmen. In dieser Begegnung vielfältiger Koexistenzen in einem gemeinsamen Ökosystem nimmt die Kunst keine dominante symbolische Position mehr ein, sondern ist eine Spur unter Spuren, eine Aktivität, die von vielfältigen parallelen Aktivitäten genährt wird, ein Objekt in einer Welt von Objekten. Das Kunstwerk genießt keinen Sonderstatus mehr, denn das menschliche Subjekt hat sein Monopol auf den Blick verloren. Der ästhetische Moment ist somit kein Akt der Transzendenz, sondern der Teilhabe an einem fortwährenden, vergänglichen, materiellen Fluss. Kunst wird zu einer flüchtigen Geste innerhalb eines Kontinuums, das weit größer ist als sie selbst - ein momentanes Aufblitzen des Bewusstseins in der unermesslichen Zeitlichkeit der Natur. Mit der Zeit werden sowohl die Objekte als auch die Betrachter verblassen, sich auflösen und in denselben ökologischen Kreislauf zurückkehren.




