Die für Clervaux - Cité de l’image konzipierte Ausstellung ALL IS BUT TEMPORARY vereint Fotoserien von Kay Walkowiak. Diese zeichnen eine poetische und philosophische Meditation über Vergänglichkeit, Transformation und das menschliche Verlangen nach Beständigkeit nach. An verschiedenen Orten - von Japan über Indien bis nach Europa - untersucht Walkowiak in seinen Werken, wie Kultur, Form und Materie an die Unumkehrbarkeit der Zeit gebunden sind. Jede Serie wird zu einem Fragment einer größeren Betrachtung der Vergänglichkeit und offenbart die Schönheit und Melancholie, die dem zeitlichen Fluss des Lebens innewohnen.
Auf dem Marktplatz greift Walkowiak in Ephemera (2008), entstanden in Tokio, das japanische Konzept des „Mono no Aware“ auf - das feinsinnige Bewusstsein für die Vergänglichkeit aller Dinge. In stillen, poetischen Arrangements - ein bandagierter Ast, ein beschwerter Schmetterling, verwelkte Blumen - begegnen sich Schönheit und Verlust. Wie visuelle Haikus laden die Bilder zur achtsamen Betrachtung ein und vermitteln eine leise Akzeptanz des Vergehens.
In den Arkaden zur Kirche richtet In Worship (2013) den Blick nach Indien und thematisiert den Wunsch, der Zeitlichkeit zu entkommen. Farbintensive, mit Girlanden geschmückte Objekte bewegen sich zwischen Ritual und Abstraktion. Doch gerade ihre Vergänglichkeit unterläuft den Anspruch auf Ewigkeit und verweist auf eine universelle Sehnsucht: Bedeutung im Fluss der Zeit festzuhalten.
The Mechanics of Form (2012), gegenüber der Kirche installiert, greift das Drachenfestival in Gujarat (Indien) auf. Die aufsteigenden Drachen werden zu Sinnbildern menschlicher Sehnsüchte - schwebend zwischen Aufbruch und Vergänglichkeit. In reduzierten Kompositionen transformiert Walkowiak das kulturelle Ereignis in eine poetische Metapher der conditio humana.
Mit Display (2024) in den Arkaden der Grand-Rue widmet sich der Künstler den Relikten des Konsumzeitalters. Eine verlassene Werbeanlage, versehen mit nachdenklichen Inschriften, wird zum Sinnbild für das Verblassen einstiger Fortschrittsversprechen und zum stillen Memento mori der Moderne.
Im „Jardin du Brahaus“ hinterfragt die Serie Misfits (2024) die Idee musealer Bewahrung. Neu arrangierte Objekte erscheinen in fragilen, instabilen Konstellationen und entlarven den Anspruch auf Dauerhaftigkeit als Illusion. Das Museum selbst wird zum Sinnbild einer brüchigen Ordnung.
Encounters (2023) im Schlossgarten bringt Kunst und Natur in unmittelbaren Dialog. Skulpturale Formen treffen auf wilde Affen, deren Reaktionen die Grenze zwischen kultureller Konstruktion und natürlicher Existenz auflösen. Kunst erscheint hier als Teil eines größeren, gemeinsamen Zeitgefüges.
Am Bahnhof von Clerf schließlich untersucht A Different Order (2018) die indische Stadt Chandigarh. Geometrische Strukturen überlagern die Spuren des Verfalls und machen die Spannung zwischen utopischer Ordnung und lebendiger Veränderung sichtbar. Der Zerfall wird dabei selbst zur ästhetischen Aussage.
Diese Werke bilden zusammen eine Meditation über den Lauf der Zeit - über Kulturen, Materialien und Ideologien hinweg. Der Titel All is but Temporary (Alles ist nur vorübergehend) ist dabei keine Klage, sondern eine Bestätigung, dass alle Schönheit aus Vergänglichkeit entsteht und alle Form aus Transformation. In diesem Kontext wird die Fotografie selbst zur Metapher und zum Medium der Vergänglichkeit. Jedes Bild fängt einen flüchtigen Moment ein, hält fest, was nie wiederkehren wird, und bekräftigt gleichzeitig, dass nichts wirklich feststehend ist. In diesem Paradoxon liegt die stille Kraft von Walkowiaks Kunst: die Anmut des Vergänglichen sichtbar zu machen und uns daran zu erinnern, dass jeder Akt des Sehens letztlich eine Begegnung mit der Zeit selbst ist.






