A DIFFERENT ORDER (2014-2018)

Die Schwarz-Weiß-Fotografien der Serie A Different Order zeigen architektonische Ansichten von Le Corbusier für die indische Stadt Chandigarh entworfenen Gebäuden und sind mit einem offenen Raster aus schwarzen oder weißen geometrischen Formen überlagert. Sie verweisen auf den Vorrang der geometrischen Form in der modernistischen Kunstauffassung, der sich der in der Schweiz geborene Architekt verschrieben hatte. Mitte der 1950er Jahre errichtete Le Corbusier die Planstadt Chandigarh in Indien nach einem von ihm entwickelten System von Maßen und Proportionen. Seine architektonische Utopie ist geprägt von seiner Vorstellung einer universellen, zeitlosen Formensprache sowie der Vision einer modernen, klassenlosen Gesellschaft, die durch die entsprechende Architektur „geformt” werden sollte. Die Reinheit der geometrischen Formen auf den Fotografien steht im Kontrast zu Ansichten der Stadt, in denen die klare Formensprache der Architektur durch Gebrauchsspuren, überwuchernde Vegetation und andere Zeichen des Verfalls gestört wird. Die Dichotomie zwischen Le Corbusiers konzeptionellen Überlegungen und seiner westlichen Vorstellung von Form und Utopie einerseits sowie der Kultur Indiens und der dortigen Lebensrealität andererseits wird durch das formale Prinzip der Überlagerung unterstrichen. In der Bildkomposition fungieren das Raster aus schwarzen oder weißen geometrischen Formen und die Ansichten der Stadt als zwei voneinander losgelöste Ebenen. Letztendlich reflektiert das Werk das Scheitern der utopischen Stadt, deren Ideal perfekter Ordnung den natürlichen Prozessen der Transformation und der Zeit nicht standhalten konnte. Der Masterplan der Stadt ließ keinen Raum für die organische Unvorhersehbarkeit des Lebens, für Anpassung und Wachstum - die Naturgesetze, die alle lebenden Systeme regieren.