DISPLAY (2024)
Die Fotoserie Display zeigt ein komplexes Werk der Werbearchitektur aus den 1950er Jahren - den Jahren des Nachkriegsbooms -, das einsam in einer verlassenen Landschaft steht. Mit ihrer Dynamik aus Ausstellungsflächen und eleganten Stahlstreben wirkt die Konstruktion wie eine moderne Skulptur. Dies verleiht den auf den Ausstellungsflächen vermittelten Aussagen Nachdruck und Wirkung. Doch wo einst Massenkonsumgüter gepriesen wurden, greift die Botschaft des Displays bei den neu geschaffenen Themen auf eine alles andere als kommerzielle Poesie zurück: Aussagen wie „Alles ist nur vorübergehend“, „Alles wird Erinnerung“ oder „Alle Erinnerung wird verblassen“ führen einen Perspektivwechsel herbei, der zum Nachdenken über die Vergänglichkeit aller Dinge anregt. Dabei wird die formale Dynamik der Skulptur neu interpretiert - als Ausdruck ständiger Verwandlung. Die Verbindung zwischen Inhalt und Form des Mediums, der Botschaft einerseits und dem Subjekt als Rezipienten andererseits, wird deutlich hervorgehoben und in einem größeren philosophischen Kontext neu interpretiert. In der lacanianischen Psychoanalyse steht das Konzept des „objet petit a” für einen grundlegenden Mangel oder eine Leere im Subjekt. Diese entstehen durch den Prozess der Trennung von der Mutter und den Eintritt in die symbolische Ordnung. Dieser Mangel führt zu Sehnsüchten, die niemals vollständig befriedigt werden, und treibt das Subjekt in seiner Suche nach Erfüllung an. Im Kontext des kapitalistischen Konsums kann dieses Konzept als Ausbeutung durch die Marketing- und Werbebranche verstanden werden. Der Kapitalismus lebt davon, Begehrlichkeiten nach Waren und Dienstleistungen zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Er mobilisiert die unbewussten Wünsche des Einzelnen und macht den Konsum zu einem ständigen Versuch, ein zugrunde liegendes Gefühl des Mangels zu lindern.
Doch der Mangel lässt sich durch Konsum nicht beheben, da das Subjekt in einem endlosen Kreislauf vorübergehender Ersatzbefriedigung gefangen ist. In einer sich ständig wandelnden Realität suggerieren die Sätze auf den Displays eine radikale Hingabe an die Vergänglichkeit von allem, einschließlich unserer eigenen Existenz.




